Die moderne Geodäsie
Das globale Positionierungssystem (GPS)
Das globale Positionierungssystem ist primär ein militärisches Projekt der USA. Anfang der neunziger Jahre stand es aufgrund von technischen und finanziellen Problemen kurz vor dem Aus, doch durch den Golfkrieg erfuhr es einen Auftrieb und ist seit Mitte 1995 vollständig einsatzfähig. Neben der primären militärischen Nutzung wird es sekundär auch zivil genutzt. Es wird weltweit als Navigationssystem für Flugzeuge, Schiffe und Straßenverkehrsmittel wie Busse oder Autos verwendet. Für die militärische Nutzung ist eine andere Frequenz der elektromagnetischen Wellen bestimmt als für die zivile Nutzung. Darüber hinaus können die USA die zivile Nutzung manipulieren und sperren, was im Golfkrieg gemacht wurde. Deshalb ist es für GPS-Nutzer wie Flugzeuge und Schiffe, die auf eine Navigation angewiesen sind, zwingend notwendig alternative Systeme zu besitzen, um in einem solchen Fall auch navigieren zu können. Das globale Positionierungssystem umfasst insgesamt 24 Satelliten, von denen sich jeweils vier Satelliten zeitversetzt auf der selben Umlaufbahn befinden. Es gibt demnach sechs verschiedene Umlaufbahnen, die alle eine Entfernung von 20200 km von der Erdoberfläche haben. Die Umlaufsdauer beträgt zwölf Stunden, die Satelliten umlaufen die Erde somit nicht in der gleichen Frequenz wie die Erde rotiert, sie befinden sich also nicht immer über dem gleichen Punkt der Erdoberfläche. Man sagt, die Satelliten sind nicht geostationär. Diese Umlaufbahnen sind so angeordnet, dass jeder Ort auf der Erde zeitgleich mit mindestens vier Satelliten linear verbunden werden kann.
Alle Satelliten senden permanent elektromagnetische Wellen
aus, die Daten über den genauen Zeitpunkt der Absendung und über die genaue
Position des jeweiligen Satelliten enthalten. Die Position wird mit dem Ort auf
der Erdoberfläche beschrieben, durch den die Strecke zwischen Satellit und
Erdmittelpunkt verläuft. Hierfür und für die spätere Positionsangabe des
GPS-Nutzers sind Angaben notwendig, die einen Punkt auf der Erde bzw. in der
Erdatmosphäre präzise beschreiben. Es handelt sich hierbei um einen Punkt, der
sich in einem dreidimensionalen Raum befindet. Zur genauen Positionsangabe sind
somit drei Zahlenwerte notwendig. Allgemein werden dafür Längengrad
,
Breitengrad
und Abstand vom Erdmittelpunkt verwendet.
Bei der Beschreibung eines Punktes auf der Erdoberfläche wird der Abstand vom
Erdmittelpunkt mit dem Erdradius r gleichgesetzt , der nicht mehr
extra angegeben wird, sondern als bekannt vorausgesetzt wird. Dabei wird
vereinfachend davon ausgegangen, dass alle Punkte der Erdoberfläche auf
Meereshöhe liegen.
Die Daten der elektromagnetischen Wellen werden von einem
GPS-Empfänger ausgewertet. Er berechnet mit Hilfe der Zeitangabe die
Zeitdifferenz ∆t1, die die elektromagnetischen Wellen für die
Strecke d1 (Satellit 1 – Empfänger) benötigten, und kann daraus
die Länge der Strecke d1 berechnen, weil die Geschwindigkeit der
elektromagnetischen Wellen gleich der Lichtgeschwindigkeit c ist. Die Gleichung
für den Abstand Satellit 1 – Empfänger heißt demnach:
.
Der GPS-Empfänger weiß nun, dass er sich an irgendeinem Punkt der Oberfläche
der Kugel 1 mit dem Radius d1 um den Satelliten 1 befindet.
Werden die Daten eines zweiten Satelliten (Satellit 2)
herangezogen, so wird die Position des GPS-Empfängers auf eine sogenannte
Standlinie beschränkt. Diese Standlinie ist die Schnittmenge der Oberflächen
der Kugel 1 mit dem Radius d1 und der Kugel 2 mit dem Radius d2
(
).
Mit Hilfe eines dritten Satelliten (Satellit 3), um den sich
die Kugel 3 mit dem Radius d3 (
) befindet,
kann die Position des GPS-Empfängers auf zwei Punkte reduziert werden, denn die
Schnittmenge der Oberflächen der Kugel 1, Kugel 2 und Kugel 3 umfasst nur zwei
Punkte.
Eine eindeutige Aussage lässt sich mit einer zusätzlichen
vierten Kugel machen. Diese Kugel kann entweder die Kugel 4 mit dem Radius d4
(
) des Satelliten 4 sein oder , sofern sich der
GPS-Empfänger auf der Oberfläche der Erde befindet, die Erde selbst mit dem
Kugelradius r = 6371 km. Bei der letztgenannten Möglichkeit ist allerdings zu
beachten, dass der Höhenunterschied auf der Erde keine Berücksichtigung
findet. Die Schnittmenge der Oberflächen dieser vier Kugeln umfasst nur noch
einen Punkt. Damit ist die Position des GPS-Empfängers eindeutig bestimmt.
Somit ist gezeigt, dass man für die Satellitennavigation auf der Erdoberfläche
die Daten von mindestens drei Satelliten haben muss. Bei der Navigation in der
Luft sind hingegen vier Satelliten zwingend notwendig.
Wie man hieraus erkennen kann, erfolgt die Breiten- und Längenbestimmung sowie die Höhenbestimmung des GPS-Empfängers zeitgleich, es wird also nicht zwischen diesen Rechenschritten differenziert. Anders ist es bei den traditionellen Methoden der Geodäsie, denen die Triangulation zu Grunde liegt. Bei dieser Methode werden zunächst die Breiten- und Längenkoordinaten ermittelt und danach die Höhe des Objektes bestimmt. Man teilt die komplexe Positionsbestimmung somit in eine horizontale und in eine vertikale Positionsbestimmung.